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Maria 2.0

Maria 2.0 Aktion 2019


Warum ich dabei bleibe

  • When day comes, we ask ourselves,
    where can we find light in this never-ending shade?
    The loss we carry,
    a sea we must wade.

Diese Zeilen sind der Anfang eines Gedichtes von einer jungen Frau, Amanda Gorman. Das Gedicht heißt „The Hill we climb“ und wurde vorgetragen bei der Amtseinführung von Präsident Biden.

Wo nur, in diesem endlosen Schatten, finden wir Licht?

Es klingt wenig hoffnungsvoll. Aber wir kennen das Gefühl sicher alle. Ganz offensichtlich natürlich bezogen auf Corona – hatten wir nicht alle gedacht, mit dem Start der Impfungen geht es vorbei? Und jetzt, Sorgen wegen der Mutation – da kann man sich schon fragen, wo wir Licht finden.

Ich frage mich ähnliche Dinge bei so Manchem. Klimawandel – wo ist da Licht zu finden, ein Umdenken?

Syrien, der Jemen, Afghanistan – ist da irgendein Licht am Horizont?

Bestimmt gibt es auch so manche persönliche Situation, die ganz und gar ausweglos erscheint. Und für mich besonders schmerzhaft: wo finde ich noch Licht für meine Kirche? Das eine Desaster ist noch nicht einmal halb verdaut, da kommt schon der nächste Skandal, der nächste Fall von Missbrauch, von dem man erfährt, die nächste Unaufrichtigkeit derer, die eigentlich endlich rückhaltlos aufklären wollten.

In einer der WhatsApp-Gruppen, in denen ich unterwegs bin, tauchte irgendwann die Tage ein Bild von einem Kardinal auf, darunter der Spruch: Bis zum Sommer werden wir jedem Katholiken ein Angebot zum Kirchenaustritt machen können.

Zuerst habe ich gelacht, kurz danach war mir eher zum Weinen zumute. Ich möchte eigentlich nicht, dass so viele austreten und die Kirche in Bedeutungslosigkeit versinkt, in selbstverschuldeter noch dazu. Und es ist ja nicht so, dass nur die austreten, die den Bezug zum Glauben verloren haben. Viele fühlen sich hinausgedrängt und vertrieben. Und es ist ja nicht so, als hätte ich nicht auch schon meine Zweifel gehabt, dass das nochmal was werden kann mit der römisch-katholischen Kirche. Was mich noch härter trifft, ist die anscheinende Gleichgültigkeit, mit der manche Verantwortliche auf diese Austrittswelle, auf die Zweifel und die Wut der Christen, nun, eben nicht reagieren.

Das Gedicht bleibt nicht in der Hoffnungslosigkeit stecken. Es heißt bestimmt nicht umsonst „The Hill we climb“. Der Hügel, den wir erklimmen, ist vielleicht mal steil oder der Weg anstrengend. Aber es geht aufwärts, dem Himmel entgegen. Ich glaube immer noch, dass unser Leben letztendlich von Gott getragen dem Himmel entgegengeht. Und was die Kirche angeht: Konflikte um die Verkündigung, um Lehrsätze und Glaubenswahrheiten, sind in etwa so alt wie die Kirche selbst. Schon immer haben Menschen um den Glauben gerungen. Die Geschichte des Christentums und der christlichen Theologie ist, ob es Manchem nun gefällt oder nicht, eine bewegte Geschichte, in der theologische Ansätze geformt, verändert, manchmal auch verworfen wurden. Es bleibt als unveränderliche Wahrheit: Jesus Christus.

Die Geschichte der Kirche war auch schon vor den Missbrauchsskandalen nicht frei war von Leid, das Menschen im Namen des Glaubens zugefügt wurde – oder von denen, die ihre Macht als Würdenträger der Kirche missbrauchten.

Und trotzdem gab es immer und gibt es bis heute Menschen, die aufrichtig versuchen, im Namen der Kirche und des Glaubens, das Licht Christi und die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen, die helfen, ohne zu fragen, was es sie kostet, die für andere da waren, die versuchten, Gerechtigkeit für die Schwachen zu erwirken.

Das prägte das Bewusstsein von einer sichtbaren und einer unsichtbaren Kirche. Die sichtbare Kirche ist menschlich, voller Irrwege und Versagen und geht im Moment doch vielen ziemlich gegen den Strich, und das aus gutem Grund. Ich glaube aber, dass es auch diese andere Kirche gibt, die Unsichtbare, die sich nicht in roten oder purpurfarbenen Gewändern, Hierarchien und Machtstrukturen manifestiert. Diese unsichtbare Kirche scheint auf, wenn Menschen sich zum Gebet versammeln, das Brot teilen und den Wein; sie scheint auf, wenn Menschen einander Zuwendung schenken, sie scheint auf in tausend kleinen und großen Zeichen und Gesten, wenn wir einander ansehen als das, was wir sind: Gottes Ebenbild. Wo wir am Reich der Gottesherrschaft mit bauen. Und natürlich gibt es dabei Rückschläge. Schließlich sind wir alle auch Teil der sichtbaren, fehlbaren, menschlichen Kirche. Aber diese unsichtbare Kirche mit ihrer Wahrheit und ihrer Mitte, Jesus Christus, ist der Grund, warum ich noch dabei bin und dabei bleibe.

Und auf die Frage „where can we find light“, wo finden wir Licht, gibt Amanda Gorman eine einfache Antwort.

  • „For there is always light.
    If only we’re brave enough to see it.
    If only we’re brave enough to be it.”

    "Denn immer ist da Licht,
    wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,
    nur mutig genug, es zu sein."

Das Licht dieser Kirche, das Licht dieser Welt, sind wir. Wir, die wir hier sitzen und zusammen beten, wir, die Menschen, die wie schon zu allen Zeiten um ihren Glauben ringen, jeder und jede Einzelne von uns. Wenn wir nur den Mut haben, das Licht in der unsichtbaren Kirche, in der Welt, im Anderen zu sehen. 

Je mehr ich über diesen bitteren Witz aus der WhatsApp-Gruppe nachdenke, desto mehr stellt sich bei mir eine „jetzt erst recht“-Haltung ein. Das ist nämlich unsere Kirche, und wir sind das Licht dieser Kirche, wir, jeder und jede einzelne von uns. Es liegt nicht an irgendwelchen Bischöfen, ob die unsichtbare Kirche Jesu Christi unter einem Scheffel versteckt bleibt. Die unsichtbare Kirche, das Licht Jesu Christi, die Gemeinschaft der Gläubigen, das sind wir, das ist unsere Verantwortung und unser Geburtsrecht als Kinder Gottes. Und wenn wir das annehmen, glaube ich, dass die Kirche als Licht Jesu Christi überdauern wird. Hoffentlich nicht in der Form, wie sie sich jetzt zeigt. Aber der Bund Gottes mit ihrem erratischen, irrenden, menschlichen Volk  bleibt, und die Verheißung auf Vollendung der verwundeten Schöpfung bleibt, und unsere Sendung, Licht für die Welt zu sein, bleibt.

 

  • Wenn wir nur den Mut haben, das Licht zu sehen.
    Wenn wir nur den Mut haben, Licht zu sein.
    Wer, wenn nicht wir?

Text: Mechtild Boos
 

Thesen Maria 2.0

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"Neue Katholische Verlagsgesellschaft mbH"


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Dr. Ingrid Aretz
Telefon.: 0202 / 247 22 30

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