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Worte zum Sonntag, 17. Januar 2021

Auch weiterhin möchten wir Euch/Sie weiterhin zum „getrennt-gemeinsamen“ Gebet und zur Bibelbetrachtung einladen. Mit dem Wort zum Sonntag wollen wir unseren Zusammenhalt im Gebet vertiefen, wenn wir gemeinsam, egal an welchem Ort, im Geiste Gottes versammelt sind.

Liebe Menschen in unseren Gemeinden!

Bei den Lesungen des kommenden Sonntags sticht ein Text heraus.
Sowohl die erste Lesung aus dem 1. Samuelbuch Kapitel 3, Verse 3b–10.19 mit der fast märchenhaften Berufungsgeschichte des jungen Propheten; als auch der Evangelientext nach Johannes, Kapitel 1, Verse 35-42 mit den eindrücklichen Sammlungen der ersten Jünger Jesu lesen sich sehr einprägsam, einladend und schön, aber: Dahinter zurück fällt der Text der 2. Tageslesung aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 6, mit den (ausgewählten) Versen 13c–15a.17–20.

Ein Text, der uns mindestens herausfordert oder vielfach sogar erschreckt, nicht nur unbedingt wegen seiner Unzuchtsverse u.a., sondern vor allem auf Grund seiner häufig einseitigen Auslegung in der Predigt- und Kirchengeschichte. Die Leibfeindlichkeit, problematische Lehren in der Sexualmoral, Abwertung irdisch-leiblicher Güter uvm. sind (vermutlich nicht nur bei mir) mit dieser und ähnlichen Textstellen verbunden.

Dabei trägt dieser Text und diese Aussage des Paulus eine zutiefst positive Wertschätzung des Menschlichen in sich. Denn er wertet unsere menschliche Natur und damit auch die menschliche Seite Gottes unendlich auf, schreibt ihr einen besonderen Wert zu und muss so liebevoll dem und der Nächsten gegenüber verstanden werden. In seiner einseitigen und leibfeindlichen Auslegungs-geschichte und der daraus bei vielen ChristInnen in den letzten Jahrzehnten folgenden Verdrängung solcher Texte wurde eben diese positive Konnotation in den Hintergrund gestellt: Wir Menschen sind Gottes Geschöpfe, sind Gott ebenbildlich, göttliches Antlitz tragend, wertvoll, geliebt, gesegnet und geachtet, jede und jeder von uns.

Und vielleicht ist einfach die lange einseitige Sicht dieses Textes in unserer Kirche mitursächlich verantwortlich für die Strukturen und Machtstrukturen, die häufig keinen „normalen“ und gesunden Umgang mit der Leiblichkeit des Menschen zuließen und zulassen. Und damit wirkliche Feindlichkeiten gegenüber dem Menschen begünstigen, zu wirklicher „Unzucht“ führen, namentlich Missbrauch, sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch und Abwertung des einzelnen Geschöpfes Gottes. Somit bitte ich an dieser Stelle um Entschuldigung für alle grauenhaften (Straf)Taten von Seiten der Kirche, ihrer Vertreter und die Vertuschung, mangelnde Aufklärung oder Empathie mit den Opfern und hoffe und bete mit Ihnen zusammen für eine neue Form von Kirche, mit neuen Strukturen und mit Konsequenzen für Täter und „Mittäter“ in und an allen Orten, auch und besonders in unserem Bistum!

Ich möchte Sie aber nicht mit diesem schweren Themen in diesem Wort zum Sonntag alleine lassen!

Wir haben am vergangenen Sonntag die Weihnachtszeit 1 liturgisch beendet, aber viele Menschen sind traurig, gerade jetzt in der Zeit der Corona- Pandemie, dass die Weihnachtszeit nicht länger dauert, oder lassen eh „wie früher“ die heimische Krippe bis zum Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar stehen.

Daher erlaube ich mir hier einen Rückblick auf einen Text und seine Auslegung, die mir dank Professor Stefan Freund und durch ihn in einer nachweihnachtlichen WortGottesFeier am 3. Januar begegnet sind: Die Erzählungen rund um das Weihnachtsfest brauchten einige Jahrzehnte in ihrer Entstehungszeit.

Der Evangelist Lukas erzählt von der Geburt im Stall und den Kindheitsgeschichten. Und Johannes machte eine Theologie daraus: Jesus Christus ist das aus Gott hervorgegangene Schöpfungswort und damit selbst Gott. Ein weiteres Zeugnis findet sich im ersten noch erhaltenen lateinischem Kirchenlied. Erhalten ist es uns auf einem Papyrus aus dem vierten Jahrhundert.

Da es dort mit ganz anderen Texten zusammensteht, vor allem nichtchristlichen und solchen, die man eher für die Schule braucht, kann man vermuten, dass schon einige Zeit in Umlauf war, ehe es jemand dort notierte. Damit sind wir dann vielleicht noch in der Zeit der Christenverfolgungen oder davor.

Da die meisten lateinischsprachigen Christen jener Zeit im heutigen Tunesien und Algerien lebten, könnte es dort entstanden sein. Die Strophen des Liedes beginnen mit jeweils mit einem Buchstaben in der Abfolge des Alphabets. Dieser sogenannte Abecedarius findet sich schon in einigen alttestamentlichen Psalmen. Erhalten haben wir die ersten zwölf Strophen, bis zum Buchstaben M, also knapp die Hälfte. Folgendermaßen lautet der Refrain:
Vater, du lenkst alles, ich bitte dich, erkenne uns an als Erben Christi – Christus, aus dem Wort geboren, durch ihn erlangte das Volk seine Freiheit.

Ausgangspunkt ist, wie im Johannesprolog, Gottes Wort, das in Christus als Mensch geboren wird. Bemerkenswert ist, was der Text diesem Christus als Tun zuschreibt. Wie einst Moses dem Volk Israel, so bringt Christus nun allen Menschen die Freiheit.

Strophe 1:
Geschwister, hören wir die Großtaten Gottes: Zuerst wählte Gott David aus. Dieser unterwarf sich die zwölf Stämme Israels. Daraus leitet sich die Abstammung meines Herren ab. Jesus Christus, den wir den Mann aus Nazaret nennen, ihn haben alle Propheten prophezeit, ihn haben sie ausgerufen als den Sohn des kommenden Gottes. Das kennen wir aus den Evangelien: Jesus kommt aus dem Stamm Davids, er ist der Sohn Gottes, der da kommen soll, wie die Propheten verkünden, und selbst Gott.

Strophe 2:
Gesegnet und mächtig ist der Vater selbst. Anna, die angeblich unfruchtbar war, bringt Gott ein Opfer dar und findet so Heilung. Täglich hatte sie Gott unter Tränen gebeten, gefleht hatte sie wegen ihrer Unfruchtbarkeit. Zur ihr kam ein ausgesandter Engel. Sie sprach gerade ein Gebet, so fand der Engel sie. Sie hörte die Stimme. Durch das Wort wurde sie 2 schwanger. So entstand die Jungfrau Maria. Nun wird es unerwartet. Die Verfasser unseres Liedes schöpfen hier aus dem sogenannten Protevangelium des Jakobus. Es handelt sich um eine Art Prequel zu unseren kanonischen vier Evangelien, entstanden nicht allzu lange nach dem Johannesevangelium. Im Mittelpunkt steht Maria und die Frage: Woher kommt diese Frau? Schon die Schwangerschaft ihrer Mutter Anna wird hier mit dem Eingreifen Gottes erklärt.

Strophe 3:
Da zeigte sich die Herrlichkeit Gottes, als ihre Eltern sie als Dreijährige im Tempel darboten, denn das hatten die Eltern gelobt. Bei den Priestern blieb sie dort, ihren Vater und ihre Mutter suchte sie nicht mehr, fest wie eine Säule, so war sie unterwegs, und von den Engeln nahm sie Manna. Das, was wir als Kindheitsgeschichte Jesu kennen, wird hier schon für Maria erzählt: Sie wird von ihren Eltern in den Tempel gebracht und wächst dort auf. In zwei eigenwilligen Bildern zeichnet der Text das Besondere dieses Mädchens: stark und souverän ist sie, wie eine Säule, heißt es im Text, und doch beweglich, denn sie geht umher, und Manna nimmt sie von den Engeln – auch hier ist sie sozusagen auf Wanderschaft, wie das Volk Israel in der Wüste.

Strophe 4:
Ein Mädchen von zwölf Jahren, dennoch preist man sie im Inneren des Tempels, und Tag für Tag behüten die Engel sie so. Als an die Priester das Wort erging über die Jungfrau Maria: „Einem Bräutigam gebe man sie“, warfen kluge Männer das Los. So zeigte es sich, dass sie Josef gegeben wurde. Wichtig ist dem Text offensichtlich eines: Wenn Maria mit Josef verheiratet wird, dann ist das kein familiäres Arrangement, sondern es ist ein Heilsereignis. Maria gehorcht nicht einem patriarchalen Regiment von Menschen, sie folgt dem Willen Gottes.

Strophe 5:
Sie gingen beide aus dem Tempel, als Paar, traurig begann Josef nachzudenken über das Mädchen, das durch das Los zu ihm gekommen war. Bei sich dachte er sich: „Wenn es Gott so gefällt, was soll ich tun? Doch das Mädchen, das der Herr liebte, ist mir nun einmal gegeben worden, dass ich sie behüte“, sagte er. Hier erfahren wir: Josef versteht das Ereignis genauso. Maria ist das herausgehobene „Mädchen, das Gott liebte“, und er ist für sie verantwortlich. Die Geschlechterrollen der Zeit sind außer Kraft gesetzt.

Strophe 6:
Es geschah, dass sie allein an eine Quelle kam. Dort hörte sie eine Engelsstimme und sah niemanden. Und als sie von dort wegging, trug sie das Wort in ihrem Leib. Als sie ein Zucken durchfuhr, begann sie sich zu wundern. Bei der Rückkehr sagte sie so zu sich: „Ich bin die Magd Gottes“, rief sie. Wieder rückt unser Text die starke junge Frau in den Mittelpunkt: Während im Matthäusevangelium ein Engel erscheint und ihr erklärt, was geschieht, 3 geht es hier nur um sie. Sie wächst in die Erkenntnis ihrer Rolle.

Strophe 7:
Maria war voll Freude an allen Tagen Es geschah, während das Paar eine Reise machte, da kamen sie beide aufs Land. Doch da sagt sie: „Ich bedrängt mich, Josef, was ich in meinem Leib trage, will herauskommen.“ Sie sieht sich um nach einem Ort, erblickt eine Höhle, dunkel und finster, so geht sie dorthin. Bald konnte man die Stimme eines Kindes hören. Man sah dort ein großes und glänzendes Licht, ein Zeichen vom Himmel erschien,es hieß, dass Christus geboren worden ist. Und auch in dieser Strophe handelt allein Maria – Josef, die Reise nach Betlehem, der fehlende Platz in der Herberge, all das tritt zurück.

Maria erscheint souverän und mutig, sie weiß, was zu tun ist. Das eigentliche Geburtsgeschehen verfolgen wir im Text aus der Perspektive des draußen wartenden Vaters: Das Schreien des Kindes zeigt die Geburt Jesu an. Erst dann, nach diesem elementar-natürlichen Akt, der das Muttersein so hervortreten lässt, folgen die Zeichen am Himmel. Nun schließt sich die Geschichte von den Sterndeutern an, die ich hier aus Platzgründen auslasse, denn sie ist fast so erzählt, wie wir sie aus dem Matthäusevangelium kennen.

Strophe 11:
Das Kind versteckte sich mit der Mutter. Doch ein Engel war gesandt worden und sagte im Traum: „Steh auf, Josef, und nimm das Kind; geh weg nach Ägypten und bleibe dort. Herodes sucht das Kind“, spricht er, „damit die Schrift der Propheten erfüllt wird: ‚Aus Ägypten werde ich meinen Auserwählten rufen; bereitet ihm gerade Wege.‘“ Wieder fällt auf, welch eine tatkräftige Maria der Text zeichnet: Sie ist es, die sich mit dem Kind versteckt. Josef handelt dann erst auf ausdrücklich Anweisung im Traum – damit sich die Prophezeiung erfüllt.

Nun folgt gedanklich ein großer Sprung zur Hochzeit von Kanaan – aber die Abfolge der Buchstaben von L zu M zeigt, dass nichts Wesentliches ausgefallen sein kann. Dann bricht der Text ab. Eine klare Tendenz des Textes ist nicht zu verkennen: Maria wird herausgehoben. Sie ist aktiv, sie ist tatkräftig, sie ist mutig und entschlossen, sie ist souverän und eigenständig. Sie wird durch eine eigene Geburtserzählung herausgehoben.

Natürlich weisen all diese Erzählelemente hin auf das alles Gewöhnliche Übersteigende in der Person Christi. Und doch: Das Werden dieser Person ist hier ohne dieses konsequent als solches erzählte Weibliche nicht denkbar.

Die Männer, also Josef und die unterschiedlichen Amtsträger, die vorkommen, tun im Text bestenfalls kleinschrittig, was ihnen konkret gesagt wird. Das ist gut und wichtig und bringt die Heilsgeschichte voran.

Es sind aber die Frauen, Anna und Maria, die verstanden haben, worum es geht, und danach handeln. So merkwürdig und fern der Text an sich ist – er hat etwas sehr Wichtiges gesehen.

Einen gesegneten Sonntag wünschen
Markus Boos und Stefan Freund

Hier noch ein paar Informationen:

Sollten Sie interesse haben, das Wort zum Sonntag per E-Mail zu erhalten, dann melden Sie sich bitte formlos per E-Mail prboos(a)hedwig-st.de. Selbst verständlich gelten unsere Datenschutzregeln.

   

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